Lust auf Eishockey?
Komm vorbei beim kostenlosen
Schnuppertraining!

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Kleine Teufel
Wie schon Dreijährige bei Blue Devils reinrutschen

Weiden. Huiii! Schon wieder flitzt er vorbei. Luka, der gelbe Blitz. Kaum zu glauben: Erst im Oktober wagte sich der Siebenjährige erstmals aufs Eis. Jetzt ist das übergroße "Schweden"-Trikot das einzige an ihm, das die Flatter bekommt, wenn der Bub mit dem Eishockey-Schläger übers glatte Spielfeld fegt. "Kinder lernen schnell", weiß Betreuer Heiko Arlt. Schon bald darf Luka für die "Young Blue Devils" dem Puck nachjagen.
Am Dienstagabend zählt der junge Mann noch zur "Spiel- und Spaßgruppe" des 1. EV Weiden. "Purzelvolk" würde auch ganz gut passen - denn gepurzelt wird ja reichlich auf der Freieisfläche: Nicht jeder der etwa 20 Dreikäsehochs steht so sicher auf den Kufen wie Luka. Egal. Weil die Kinder gut gepolstert sind, fließen bei Stürzen keine Tränen. Im Gegenteil. Herzhaftes Kinderlachen schallt durchs Oval. Ein Häusl weiter, im Stadion, geht's viel ernster zur Sache. Zack! Wumm! Schlagschüsse krachen gegen die Bande - Abendtraining der "Devils". Und so trennen sie nur wenige Meter: die Teufel und die Engerln - die größten und die kleinsten Cracks Weidens.

Letztere, zwischen drei und sieben Jahre alt, sollen zunächst die Grundlagen lernen. Also: Eislaufen. Und sie merken's noch nicht mal. "Spiel und Spaß stehen bei uns im Vordergrund", erklärt Arlt, weshalb der Name der Gruppe dann doch goldrichtig ist. Gerade flüchten die Buben und Mädchen vor ihrem Trainer: "Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?" Niemand. Wenn er aber kommt, sind die Kufen unter den Sohlen plötzlich vergessen. Nur weg! "Die Kinder denken nicht übers Eislaufen nach", schildert Arlt die Taktik dieses "spielerischen Lernens". "Sie laufen einfach."

Und es läuft auch sonst. Zum kostenlosen "Schnuppertraining", das zweimal pro Woche steigt, strömen stets zwischen 20 und 40 Kinder. Unverbindlich, ohne Anmeldung. Heiko Arlt und seine Helfer leisten damit Nachwuchsförderung auf der untersten Stufe. Seit vier Jahren ist Arlt ehrenamtlicher Betreuer. Seine Motivation? "Eishockey. Mehr gibt es nicht zu sagen. Entweder man liebt es, oder man hasst es."

Training mit Profis

Schon in dieser "Laufschule" spähen EVW-Trainer mögliche Talente aus. Hoffnungsvolle Cracks wie Luka schlittern weiter in die Kleinst- und Kleinschüler-Mannschaften. Pro Saison bleiben etwa zehn Kinder, die in der Spiel- und Spaßgruppe beginnen, dem Verein treu - "nur", bedauert der 30-jährige Arlt. "Das sind eigentlich ziemlich wenig." Gemessen am Aufwand wohl. Mit den Kleinsten trainieren schon mal gestandene "Devils" wie Jan Penk und Michal Piskor. Am Dienstagabend betreut Steffi Kledtke von der Eiskunstlaufabteilung zwei Mädchen bei deren ersten Schritten auf dem Eis - gestützt auf Holzböcke. Mit den Geübteren dreht Helfer Sandro Kick einige Runden.

Und natürlich Jürgen Arzberger, der offizielle Trainer der Anfänger und Schüler. "Immer schön in die Knie gehen", weist er den Nachwuchs zur "Grundstellung" an. "Nicht auf dem Schläger aufstützen! Die Kraft kommt aus den Oberschenkeln." Mit solchen Übungen könne man gar nicht früh genug beginnen, stellt Arzberger fest. 25 Jahre lang hat er selbst Eishockey gespielt. Für ihn "eine der schwierigsten Sportarten überhaupt": "Du musst dich mit einem Fremdkörper in der Hand auf dem Eis fortbewegen - und ständig mitdenken."

Oliver ist heiß. Der fünfjährige Bub im "Mighty Ducks"-Trikot will endlich in einer Mannschaft auflaufen. Seit fast zwei Jahren gehört er der "Spiel- und Spaßgruppe" an. Mitte der nächsten Saison ist es so weit: Oliver, der Filius von Betreuer Arlt, wird dann sechs. Und erfüllt damit die Grundvoraussetzung, um beim jüngsten EVW-Team anzuheuern. Flott unterwegs auf den Kufen ist auch Selina Smaza, fünf Jahre. Ein Wunder, wenn's anders wäre: Der Papa trainiert eben die Kleinstschüler des Vereins. Das Trikot - von den "Hamburg Freezers" - hat an Selina Abendkleidlänge, reicht ihr bis zu den Knöcheln. Sämtliche "Freezers" haben darauf unterschrieben. "Bei denen", verrät die Kleine, "spielt mein Onkel."

Profi-Trikot, Helm mit Gesichtsschutz, gepolsterte Hose: Nur etwa die Hälfte der Youngsters ist so gut ausgerüstet wie Selina. Es geht ja auch günstiger. Fahrradhelm, Schneeanzug, Knieschoner, geliehene Schlittschuhe - das reicht für den Anfang. So rückte im Oktober auch noch Luka an. Sein Vater lotste ihn aufs Eis, nachdem Arbeitskollege Heiko Arlt fürs Schnuppertraining wieder mal die Werbetrommel gerührt hatte. "Luka hat das von Anfang an Spaß gemacht", erzählt Papa Thomas Kähne. Und auch Mama Anke hat nichts gegen den "Männersport" einzuwenden. "Da passiert nichts", zeigt sie sich überzeugt. "Der Junge ist ja gut geschützt. Außerdem: Ein bisschen Abhärtung schadet nicht." Zusammen mit anderen Eltern verfolgen die Kähnes über die Bande hinweg, wie sich die Sprösslinge zu geübten Kufenflitzen mausern. Ein Bub wird herübergereicht. Beinahe hätte er seine Hose verloren. Der Vater zieht den Bund stramm. "Eine Nummer zu groß", meint Arlt. Soll aber auch so sein: "Das spart Geld."

Kein brutaler Sport

"Eishockey ist nicht der brutale Sport, als der er immer dargestellt wird", betont der Betreuer. Schon gar nicht hier bei den Kleinsten. "In den letzten vier Jahren hat sich ein einziger verletzt. Das war ich selbst, als ich nicht aufpasste und über ein Kind stürzte." Bodychecks könnte mittlerweile auch Luka locker wegstecken. Zum siebten Geburtstag packte er vor einigen Tagen die volle Ausrüstung aus dem Geschenkpapier: vom gelben "Sweden"-Trikot bis hin zu Gitterhelm, Halskrause und Tiefschutz. Nicht gerade billig, wie die Kähnes einräumen. Rund 180 Euro investierten sie in den neuen Sport des Sohnemanns. Und zu Weihnachten soll's weitere Trikots geben.

Lukas größter Wunsch aber: dem Puck im Team nachzujagen. Pässe, Schüsse, Tore. Wie Heiko Arlt versichert, geht der Traum demnächst in Erfüllung. Teufel auch, was für eine blitzschnelle Karriere: vom grünen Wackelkandidaten auf dem Eis zum gelben Blitz. Und vom gelben Blitz zum blauen Teufel.